Philipp Matthäus Hahn
Philipp Matthäus Hahn Philipp Matthäus Hahn (1739-1790), war zugleich als Astronom, Ingenieur und Unternehmer tätig. Hahn war Pietist und Verfasser bedeutender theologischer Schriften (Bibelübersetzung, Predigtbücher). Berühmt geworden ist er jedoch als "Mechanikerpfarrer". Er baute Sonnenuhren und große astronomische Maschinen. Ferner leistete er einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Taschenuhr, indem er den Sekundenzeiger und die Zylinderhemmung einführte. Bedeutend ist auch die von ihm konstruierte Rechenmaschine. Mit seiner "bequemen Hauswaage" entwickelte Hahn die erste Waage, die ohne Gewichte funktionierte. Durch die Erfindung der Neigungswaage (Pendel-Quadrantenwaage) sowie durch seine hohen Ansprüche an die Präzision seiner Uhren wurde Hahn zum Begründer der Feinmess- und Präzisionswaagenindustrie im Zollernalbkreis, die bis heute ein bestimmender Wirtschaftsfaktor ist.

Durch einen großen Glücksfall erfahren wir einige Zeit später sehr viel und sehr Genaues über Zazenhausen. Philipp Matthäus Hahn, berühmter Mathematiker und Astronom, Erfinder und Techniker, war Pfarrer in der Muttergemeinde Kornwestheim und versorgte von dort die Filiale in Zazenhausen mit. Dieser vielbeschäftigte Mann hat Tagebuch geschrieben und daraus entnehmen wir viele amüsante kleine Begebenheiten. Hier einige wenige davon.

1769 schreibt der damalige Pfarrer in Kornwestheim: »In Zazenhausen, Filial von Kornwestheim, wird an Aposteltagen, bei viermaliger Haltung des heiligen Abendmahls (jeweils einen Tag zuvor die Beicht mit Predigt als Vorbereitung aufs Abendmahl), auch am Fest Epiphanias und an der Kirchweih, sodann bei Leichen und Hochzeiten gepredigt, auch der Taufactus verrichtet. Pastor bekommt ein Pferd, und für jeden actus (= kirchliche Handlung) etwas Gewisses an Geld; der Pfarrer von Kornwestheim tut das jedoch nicht aus Schuldigkeit, sondern allein aus Gefälligkeit gegen seine Filialisten. An Sonn-, Fest-, Feier- und Bußtägen, welche oben nicht angeführt sind, müssen die Zazenhäuser nach Kornwestheim in die Predigten und in ihrer Ordnung auch jedesmal in die Catechisation kommen.«
- Seelen 247; 26 Geburten, 19 Tote.

Dienstag, 7. Juni 1774: »Hochzeitspredigt in Zazenhausen. Abends 3 Uhr nach Haus. Mußte mich vor dem Zorn in Acht nehmen in Zazenhausen, weil sie Spielleute und Tantzanstalten hatten. Mußte mich vor der Kirche wehren, nachdem ich ihnen schon vorher meinen Widerwillen zu erkennen gegeben, daß sich nichts davon in die Predigt einschleichen, sondern solche evangelisch werden möchte. Sie wissen nicht, was sie tun, dachte ich, es wird schon wegfallen, wann sie das Evangelium verstehen; Wahrheit macht frey.«

Filialisten sind unzufrieden

1. März 1776: »Ein Zazenhäuser zeigte die Taufe an. Ich höre von ihm, das die Filialisten unzufrieden sind, das ich nimmer zu ihnen komme und nur den Vicarium schicke. Ich sagte, sie kommen an den Sonntägen ja auch nicht hieher, sondern gehen in andere Orte; also sehe ich, daß sie keine Kraft aus meinen Worten empfinden. Er sagte, es seyen viel da, in die meine Predigten eingedrungen und sich daran gespiegelt besonders bey der Beicht und Abendmahl. Er selbst konnte manches sagen, das er behalten und ihm eindringlich worden. Ich versprach, auch wieder zu kommen. Er sagte, der Vicarius thue wohl auch schöne Predigten, aber es gehe nicht so in das Herz.«

Samstag, 2. März 1776: »In Zazenhausen gab Gott Kraft und Geist. Bey dem Schultheiß aber dann meynte ich etwas für die Schule zu gewinnen, da er ein reicher Mann von 4000 Gulden war und kein Kind hinterließe. So legte ihm nur 100 Gulden für die Schul vor und 10 Gulden dem armen Schulmeister apart und ein Chorhemd, und das mit Gründen der Lehre Jesu. Er beharrte aber auf seinen elenden 20 Gulden, die er schon vor etlichen Jahren legirt habe. Ich sahe seinen irdischen Sinn und pharisäische Gerechtigkeit dabey. Er wollte aber nicht. Vielleicht haben es die Erben gemerckt, als ich kam, und gingen mir nicht von der Seite, da ich gern allein geredt hätte. Allein ich sagte es vor ihnen und dachte, es ist ein Gericht über ihn, wenn er es nicht thut.«

(Weiteres dazu findet sich im Buch "1200 Jahre Zazenhausen 788-1988")

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Stand: 06.2013 [ Hoch ] [ Zurück ]